Christian Schleinzer als Pumuckl in PUMUCKL - DAS MUSICAL

PUMUCKL Interview

Pumuckl-Darsteller Christian Schleinzer im Gespräch mit Christina Güllich über den reimverliebten Kobold. 

Christian, schön, dass du dir für uns Zeit genommen hast! Bevor wir zum PUMUCKL kommen, verrätst du uns, was dir denn besonders an deinem Beruf gefällt?

Das Schöne an unserem Beruf ist einfach diese Verwandlung. Sich in etwas hineinentwickeln zu dürfen,  von dem man zunächst noch gar nicht weiß, was es ist. Ich mag es, wenn eine Rolle mich herausfordert und ich daran wachsen kann. Dabei bewege ich mich in allen Schienen gerne: Musiktheater finde ich toll, aber genauso nur Tanz oder nur Schauspiel. Ich mag alles.

Und jetzt zum PUMUCKL: Wie schaut denn so eine typische Probe aus?

Also, wir fangen um 10 Uhr an. Ich komme immer etwas früher, trinke noch einen Kaffee, und lerne noch einmal den Text. Dann zieht man erst einmal die Probenklamotten an, also in meinem Fall den falschen Bauch, die langen Schuhe, das T-Shirt usw. Schon während ich mich anziehe, kommt so ein Gefühl auf und ich fange an, in die Rolle zu schlüpfen. Dann treffen wir uns alle, lesen die Szene gemeinsam durch und sprechen darüber. Und dann fangen wir an: Schauen, wo der Pumuckl sitzen könnte, wo er reinkommt, was er macht usw. Wir probieren viel aus. Und Nicole, die Regisseurin, bringt auch die nötige Sensibilität mit, dass der Pumuckl nicht nur »Tritratrullala« ist, sondern ein echtes Gefühl rüberkommt.

Und wie lernst du die Lieder?

Ich nehme die Lieder bei der Probe mit der Pianistin auf und dann höre ich sie immer wieder an; daheim beim Abspülen, beim Einkaufen usw. So krieg ich das in den Kopf und in den Körper.

Wir kennen alle die Pumuckl-Stimme von Hans Clarin. Wie setzt du das um?

Die spreche ich natürlich in einem ganz anderen Pitch (auf einer ganz anderen Tonhöhe; Anm. d. Red.), als wenn ich mit euch rede. Jetzt möchtest du natürlich hören wie ich‘s mache… (macht uns die Pumuckl-Stimme vor): »Wie spricht der Pumuckl? Der hat ja schon ´ne ganz andere Stimme und so! Wieso? Was?...« Man muss wirklich eigene Töne dafür erfinden und das muss ich teilweise Ton für Ton trainieren. In der Entstehungsphase bin ich schon oft stimmlich angeschlagen nach Hause gegangen und habe mich gefragt, wie ich das denn machen soll. Dann hab ich auch daheim einfach ausprobiert, beim Spazierengehen im Wald oder ich hab meinen Hund mal wie der Pumuckl angesprochen, um diese Stimme erst einmal zu finden. Und vor allem: Um nicht den Hans Clarin nachzuahmen. Das wäre ganz falsch. Denn er hat das so phantastisch gemacht und ich wäre nur eine schlechte Kopie. Also bin ich dabei, meine Pumuckl-Stimme zu finden, die Christian-Pumuckl-Stimme, denn ich bin ja auch nachher der Christian-Pumuckl.

Das klingt ein bisschen so, als müsstest du insgesamt den Pumuckl erst einmal in dir entdecken?

Ja voll. In allem. Es ist ja nicht nur die Stimme. Der Pumuckl ist ja eine ganz eigene Persönlichkeit. Wie bewegt sich denn ein Pumuckl, ein Kobold, was macht der genau und wie macht er das (Christian läuft durch den Raum und macht währenddessen vor, wie er nach Bewegungen für den Pumuckl sucht)? Der Pumuckl ist ja nicht wie ich, sondern eher wie ein Kind, das ist eine ganz eigene Körperlichkeit. Natürlich übernimmt man auch Sachen, ich hab mir zum Beispiel auch jetzt noch einmal die Serien angeschaut. Aber wenn du immer nur kopierst, dann ist es eben nur eine Kopie und du kannst nie voll aus dir selber schöpfen – egal welche Rolle du spielst. Man muss also viel ausprobieren, oft scheitern, um schließlich diese Rolle, die man ja selber noch gar nicht kennt, in sich zu entdecken.

Hast du denn eigentlich auch früher schon die Pumuckl-Serien geschaut?

Ja, immer. Mit meinen Schwestern auf dem Sofa. Und ich hab auch die Schallplatten und Kassetten gehabt.

Ist denn auch einmal etwas Lustiges bei einer Probe passiert?

Einmal haben wir geprobt und da gab es mal wieder Feueralarm im Haus. Da muss man ja ganz schnell raus und ich hatte ja alles noch an, meinen dicken Bauch und die großen Füße und stand dann 10 Minuten mit meinem Pumuckl-Kostüm da draußen. Alle Kollegen haben gelacht und gesagt: »Wow, du hast gewonnen!« Aber wir lachen eigentlich jeden Tag, weil es einfach eine schöne Arbeit ist mit sehr netten Leuten. Wir haben viel Spaß!

Was ist deine Lieblingsszene bei PUMUCKL?

Ich liebe das »Zwetschgenlied«. Da findet der Pumuckl Zwetschgen – wir haben dafür erst einmal Gummibärchen und Trockenpflaumen genommen – und fängt an zu backen und Marmelade zu machen. Während des Liedes mache ich also so rum, klopfe mit dem Hammer, darf einfach essen und herumsauen, alles ist voll und ich sehe aus wie ein Schweinchen – also wirklich der Traum eines jeden Kindes. Das macht total Spaß!

Wie funktioniert das mit dem Unsichtbar-Werden auf der Bühne?

Das ist natürlich ganz schwierig. In der Serie gibt es ja immer ein Geräusch, dieses »Plümplümplüm…« und dann ist er weg. Ich kann mich natürlich nicht unsichtbar machen, deshalb haben wir das so gelöst: Ich quatsche vor mich hin, während ich hinter einem Gegenstand verschwinde oder in einer Luke abtauche. Erst hört man mich noch und dann wird die Stimme immer leiser. Und dann komm ich immer irgendwo anders, aus irgendwelchen Schlupfwinkeln, wieder heraus.  Das heißt, ich muss auch ganz oft schnell hinter der Bühne herumrennen, um an einer anderen Stelle wieder aufzutauchen.

Du bist ja um einiges größer als der Pumuckl. Heißt das, du musst dich ganz viel ducken und kleiner machen?

Klar wäre es toll, wenn der Pumuckl einfach beim Meister Eder auf der Schulter sitzen könnte, aber das ist halt nicht möglich. Der arme Ferdl, der Meister-Eder-Darsteller, der würde mich glaub ich umbringen (lacht). Ne, der Pumuckl ist so groß wie ich, da kann man nichts dran drehen. Deshalb muss man einfach etwas Eigenes entwickeln. Dafür arbeiten wir viel mit Karl Alfred Schreiner, unserem Choreografen, um für die vielen Sachen, die der Pumuckl immer so gleichzeitig macht, einen eigenen Körperausdruck zu finden.

Der Pumuckl ist sehr akrobatisch. Bist du das auch?

Ja, auf jeden Fall. Ich habe früher sehr viel geturnt auch jetzt tanze ich ja viel. Das hilft sehr, da man dadurch eine andere Körperspannung hat, was auch für’s Singen wichtig ist. Man muss nur aufpassen, dass man nicht zu elegant wird, denn das passt ja nicht so zu einem Kobold.

Was haben der Pumuckl und du für Gemeinsamkeiten?

Ja, das habe ich genau gewusst, dass diese Frage kommen wird und deshalb habe ich da auch schon drüber nachgedacht (lacht). Ich glaube, es ist einfach diese Ehrlichkeit - gleich zu sagen was Sache ist, so pur zu reagieren. Ich bin privat auch so, dass ich gleich sage, was ich denke. Und andererseits ist der Pumuckl ja auch so sensibel und nimmt vieles auf – auch darin sind wir uns ähnlich. Reimen tu ich nicht so gerne. Aber was wir auch noch gemeinsam haben, ist diese Begeisterung, in die man sich hineinsteigert und in der man manchmal nicht zu bremsen ist. Und ich mag süße Sachen.

Wie verstehst du dich denn mit Ferdinand Dörfler, dem Meister-Eder-Darsteller?

Wir verstehen uns gut! Ich mag ihn sehr und spiele auch wahnsinnig gerne mit ihm. Unser Beruf ist ja eh so verrückt. Du machst ja mit fremden Leuten sofort Sachen, die du nie im normalen Leben tun würdest, von daher bist du sowieso gleich so offen und nah.

Was ist am Schwierigsten an der Pumuckl-Rolle?

Das Schwierigste ist, dass man so viel gleichzeitig machen muss – singen, tanzen, Dinge hin- und herräumen, herumhüpfen, usw. Die Musik ist toll, aber auch nicht einfach und am Schluss soll alles trotzdem so aussehen, als wäre es einfach nebenbei. Das ist schon anspruchsvoll, da habe ich schon Stücke mit großen Namen gespielt, die nicht so herausfordernd waren.

Welches Lied singst du am liebsten?

Ich singe sehr gerne »Ich krieg ja nie was«. In dem Lied ist der Pumuckl sehr eifersüchtig auf Hanna, die eine Haarspange hat. Das Lied ist eine Mischung aus einerseits feinen und klaren Tönen und dann wieder kommt dieser krachige Kobold-Sound da rein, das macht Spaß!

Außerdem singe ich gerne »Das Geschenk«. Da kann der Pumuckl in Gegenwart anderer seinen Mund nicht halten und singt. Der Meister Eder muss die Situation retten und so tun, als würde er gerade singen, indem er nur die Lippen bewegt. Da kann ich dann hinten singen, was ich will und er muss mitmachen. Da haben wir auch sehr viel schon gelacht.

Wenn du selber einen Tag lang ein Kobold und damit unsichtbar wärst, dann…

Ohje, das darf man ja gar nicht laut sagen, was ich da machen würde (lacht). Hm, lass mal überlegen. Ja, ich glaube, ich würde in Geschäfte gehen und mich durchprobieren. Sachen anziehen, das Essen kosten usw. Und vielleicht doch auch wirklich mal Leute erschrecken… Ach, da würde mir vieles einfallen!

Was magst du besonders am Pumuckl und an diesem Musical?

Das Schöne am Pumuckl ist, dass er so ehrlich ist und durch diesen offenen, puren Charakter auch eine Zerbrechlichkeit hat. Er macht nicht nur (in seiner Pumuckl-Stimme) »ganz viel Krach«, sondern da ist auch noch etwas anderes dahinter. Und so gibt es auch Lieder, in denen er ganz fein und zerbrechlich ist. Eben ehrlich.  

Außerdem mag ich, dass der Pumuckl auch manchmal ein bisschen was Egoistisches hat, aber eben auch auf eine liebevolle Art und Weise. Wenn er zum Beispiel sagt: »Ein Brett und ein Brett gibt ein Bett, das wär nett, wenn ich’s schon hätt!«, dann muss ich drüber schmunzeln, denn er befiehlt etwas, aber es ist so nett befohlen! Und das macht diesen Charakter auch wieder so liebevoll. Und der Meister Eder macht ja alles für ihn. Irgendwann überspannt es der Pumuckl allerdings, dann wird’s zu viel und dann eskaliert es. Ich finde, das ist ein ganz interessanter Bruch. Der erste Akt ist eher so der heitere Teil und der zweite Teil geht ein bisschen tiefer.

Franz Wittenbrink, der Komponist, hat mir bei einer Probe auch mal einen tollen Satz gesagt: »Der Pumuckl hat keine Fehler«. Das ist an sich schon eine tolle Aussage. Zudem hilft sie mir sehr beim Proben und Ausprobieren, weil ich quasi nichts falsch machen kann!

Christian, Vielen Dank für das Gespräch und deine Zeit.

Sehr gerne.