Oscar Straus und »sein Gärtnerplatztheater«
»Es wird den Freunden meines Schaffens nicht verborgen geblieben sein, dass ich mich in München immer besonders wohl gefühlt habe. In meinen Sturm- und Drangjahren, als das Pendel meiner ersten künstlerischen Erfolge zwischen Berlin und Wien schwang, kam ich zum ersten Male mit meinen 'Lustigen Nibelungen' hier im Gärtnerplatztheater zur Aufführung. Die Münchner 'Walzertraum'-Premiere im Jahre 1907 tat ein Übriges, um mein Verhältnis zur süddeutschen Kunstmetropole noch inniger zu gestalten. Immer wieder im Verlaufe der nächsten Jahre und Jahrzehnte fand ich für Tage und Wochen den Weg nach München, und meist war der Anlass eine Erstaufführung oder auch die 50. bzw. 100. Jubiläumsvorstellung eines meiner Werke, zu der man mich am Dirigentenpult erwartete. So fand ich nicht nur eine immer herzlichere Verbundenheit mit dem Theater am Gärtnerplatz, sondern empfing auch in der lebendigen Anteilnahme am künstlerischen Geschehen der Stadt vielfache Anregungen und beglückende Eindrücke.
Lange Jahre mußte ich ein Begegnen mit der mir liebgewordenen Stadt entbehren. Als mich vor zwei Jahren die Einladung erreichte, der Erstaufführung meiner neuen Operette 'Ihr erster Walzer' beizuwohnen, [...] saß ich wieder in dem mir altvertrauten, einzig schönen Theater und fand, daß der Geist des Hauses mich ebenso wie einst umffing. [...]
Darf man es mir verargen, daß ich heuer nun mein Lieblingskind 'Božena', an dem ich viele Jahre gearbeitet habe und das mir deshalb besonders ans Herz gewachsen ist, dem Münchner Gärtnerplatztheater zur Welt-Uraufführung anvertraut habe? Man mag dies vielleicht als eine kleine Dankesbezeugung betrachten. Aber darüber hinaus geschah es vor allem aus der Gewißheit, daß ich mich hier in meinem künstlerischen Absichten verstanden weiß und deshalb auch so wundervoll geborgen fühle.
So bin ich denn wieder einmal nach München gekommen und freue mich, in der liebenswerten, einzig schönen Kunststadt mein jüngstes Musenkind aus der Taufe heben zu können.«
Oscar Straus (1870-1954)
Aus dem Programmheft zu »Božena«, Staatstheater am Gärtnerplatz, Spielzeit 1951/1952
DER TAPFERE SOLDAT, am 2. / 13. / 20. / 24. April 2019 wieder im Gärtnerplatztheater
und als Zugabe...
Eine wahre Geschichte zu »DER TAPFERE SOLDAT«
abgedruckt im Programmheft zu »Ihr erster Walzer«, Staatstheater am Gärtnerplatz, Spielzeit 1949/1950.
Oscar Straus sitzt nach einer anstrengenden Orchesterprobe zu seinem Konzert in der Halle eines Washingtoner Hotels. Ein eleganter Herr tritt auf ihn zu und fragt in verbindlichem Ton »Habe ich die Ehre, mit Herrn Staatssekretär Morgenthau zu sprechen?« Straus bedauert offensichtlich, mit dem Genannten nicht identisch zu sein. Der Herr zieht sich mit Worten der Entschuldigung zurück. Nach kurzer Pause nähert er sich wiederum dem leicht abgekämpften Meister der Töne: »Vielleicht habe ich die Ehre, mit dem Bruder von Herrn Morgenthau zu sprechen?« Straus verneint abermals.
Der höflich-eindringliche Frager lässt sich nicht entmutigen: »Aber ich kenne Sie von irgendwoher?! Sie sind eine prominente Persönlichkeit – vielleicht ein bekannter Schriftsteller?« Straus macht eine verneinende Geste. »Oder ein bekannter Komponist?« Straus nickt bejahend. »Also doch! Dürfte ich Sie um Ihren Namen bitten? Der Meister – sichtlich ermüdet – murmelt: »Oscar Straus.« »Ah, welche Ehre, dem türkischen Botschafter persönlich die Hand drücken zu dürfen!« »Aber ich gab Ihnen doch zu verstehen, dass ich Komponist bin!« »Ah, jetzt weiß ich! Sie sind der Komponist der ›Lustigen Witwe‹?!« »Falsch.« »Oder vom ›Rosenkavalier‹?!« »Noch falscher.«
Der unerschrockene Frager stutzt einen Augenblick … »Oder »Chocolate Soldier«?!« »Stimmt«, meint Straus trocken und leicht indigniert. Worauf der Unermüdliche in Begeisterung ausbricht: »Wunderbar! Ich habe Sie doch gleich erkannt!«