Gisela Ehrensperger © Robert Brembeck

HÄNSEL UND GRETEL Interview

HÄNSEL UND GRETEL Koryphäe Gisela Ehrensperger im Interview mit Christina Güllich.

Sie haben ja bereits in vielen Produktionen von HÄNSEL UND GRETEL mitgewirkt, zum einen in der Rolle der Gretel und zum anderen in der Rolle der Hexe und haben sogar die Premiere hier am Gärtnerplatztheater 1974 gespielt...

Zunächst haben wir für Sie ein paar Begriffe vorbereitet. Was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie diese Begriffe hören?

Hänsel

Da hab ich sehr viele verbraten, gezählt hab ich sie allerdings nie.

Gretel

…war ich sehr gerne. Ungefähr 20 Jahre lang, würde ich sagen.

Lebkuchenhaus

Das Lebkuchenhaus war sehr lecker, da hatten wir richtige Lebkuchen, die konnte man essen. Und als Hänsel und Gretel haben wir schon ordentlich zugelangt. Manchmal musste man dann mit Lebkuchen im Mund singen, das ist nicht angenehm, aber machbar. Und vor allem hat es Spaß gemacht.

Sandmännchen

Das Sandmännchen hat eine wundervolle Arie zu singen, die auch nicht leicht ist, da sie so eine ungünstige Zwischenlage hat. Das Sandmännchen habe ich bei Doppelvorstellungen gesungen, da zweimal Gretel an einem Tag im Repertoirebetrieb auf die Dauer zu anstrengend sind.

Engel

Die Schutzengel sozusagen, das waren 14 Stück. Warum es so viele sein müssen, weiß ich nicht, denn einer der richtig arbeitet genügt ja eigentlich (lacht). Die Grundidee bei Kertz‘ Inszenierung lag hier bei Matthias Grünewalds Isenheimer Altar, so hatte er sich diese Engel vorgestellt.

Welche Rolle hat Ihnen am meisten Spaß gemacht und welche ist Ihre persönliche Lieblingsfigur?

Die Hexe habe ich geliebt und würde sie heute noch singen, wenn ich die Kraft hätte sie zu machen. Konzertant ist das kein Thema, aber sie auf der Bühne darzustellen und zu singen, ist wahnsinnig kräftezehrend. Es ist ganz, ganz schwer, wenn man es richtig machen will. Ich hab schon während der Probenzeit, 1974 gesagt, dass ich die Hexe auch mal spielen möchte. Peter Kertz hat damals gesagt »Nur über meine Leiche machst du die Hexe!«. Das ist ihm aber nicht gelungen und es hat ihn dann gefreut, meine Hexe zu sehen und zu hören. Ich hatte als Hexe zum Beispiel einen Buckel und einen Klumpfuß. Jetzt beweg dich mal so über die Bühne und sing diese schweren Sachen. Zusätzlich hatte ich immer abwechselnd Hänsel oder Gretel an einer Hand, die an mir gezerrt haben. Die Rolle ist nicht nur stimmlich anstrengend, sondern auch körperlich eine Herausforderung. Man sollte sie auch nicht zu früh machen. Wenn man sie richtig machen will, muss man stimmlich charakterisieren, also manchmal weg vom schönen Gesang. Dazu braucht es eine stimmliche Reife. Und ich muss auch zugeben, dass es mir Spaß gemacht hat, wenn alle Angst vor mir hatten.

Was ist Ihre persönliche Lieblingsstelle?

Ich mag eigentlich den ganzen zweiten Akt, der dann mit dem Auftritt der Engel endet. Das ist schon sehr sehr schön. Überhaupt die Musik ist wunderbar. Nix einzuwenden, da haben Sie sich schon was Gutes einfallen lassen, Herr Humperdinck. Die ganze Oper HÄNSEL UND GRETEL ist nicht einfach zu singen, für alle, ob nun für die Mutter, den Vater, die Hexe, für alle Kinder oder sämtliche Männlein. Es ist schwer.

Können Sie uns erklären warum Hänsel immer von einer Frau und die Hexe manchmal von einem Mann gesungen wird?

Der Hänsel, der hatte natürlich noch keinen Stimmbruch und deshalb muss er von einem Mädel, einer Mezzosopranistin oder Altistin mit Höhe gesungen werden. Ja und die Besetzung der Hexe ist Geschmackssache. Es ist möglich, dass die Rolle von einem Tenor gesungen wird, aber ich mag eine weibliche Hexe viel lieber hören.

Welche Veränderungen, seit der Premiere am Gärtnerplatztheater im Jahr 1974, sind besonders auffällig gewesen?

Im Laufe der vielen Jahre nahmen die verschiedenen Besetzungen Einfluss auf die Produktion. Es gibt keine großen Veränderungen, aber ein paar Kleinigkeiten, die einem aber nur auffallen, wenn man zur Besetzung von 1974 gehört hat. Die ganze Inszenierung kann man im Regiebuch nachlesen, aber eben leider nicht die original Regieanweisungen, da hätte man die gesamte Probenzeit medial festhalten müssen.

Und zum Schluss: Gibt es einen Moment bzw. eine Anekdote im Zusammenhang mit Proben oder Aufführungen, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben sind?

Ach na ja, mir ist einmal der Text von »Ein Männlein steht im Walde« mitten im Lied nicht mehr eingefallen. Das klang dann so: »Ein Männlein steht im Walde ganz still und stumm und hat vor lauter Purpur ein Mäntlein um, sag wer mag das Männlein sein das da steht im Wald allein mit dem Purpur roten hm hm hm und Bein« (lacht). Das ganze Publikum hätte wahrscheinlich für mich weitersingen können. Es gibt auch manchmal technische Hoppalas. Also unser Taumännchen durfte über die Bühne fliegen und wenn der Techniker/in nicht rechtzeitig abgebremst hat, gab's eben einen kleinen Rumms in der Seitenbühne. Zum Glück ist da nie etwas passiert. Oder es gab eine Situation mit dem Sandmännchen. Es wurde in einer Blume stehend hochgefahren und hat seine Arie gesungen. Aber leider fuhr die Versenkung zu früh ab und so musste das arme Sandmännchen die Arie aus dem Untergrund zu Ende bringen. Das ist tragisch, da hat es nur die eine Arie und dann ist es auch schon nach der Hälfte wieder weg. Aber es war irgendwie auch sehr lustig. Zum Glück passiert ja nur ganz selten etwas und die meisten Sachen bekommt das Publikum auch nicht mit.

Vielen Dank für das Gespräch und Ihre Zeit.

Sehr gerne.