»Unerhört? Hörenswert!«
Gebildeter Klang
Unter Kennern wird der Komponist Eugène Bozza insbesondere für seine kammermusikalischen Werke für Holzblasinstrumente überaus geschätzt. Die Affinität des Komponisten zu eben dieser Instrumentengruppe tritt auch in der Besetzung seines Divertissements für drei Fagotte deutlich zu Tage. Die meisten seiner zahlreichen Kammermusikstücke schrieb Bozza ab Mitte der 1950er Jahre. Dabei erscheint es dem Hörer immer wieder, als wolle der Komponist diesem den Klang seiner Wahlheimat, der Provence vermitteln, durch den Versuch, ein persönliches Empfinden dieser Landschaft musikalisch festzuhalten, oder die typischen Klänge der Region akustisch einzufangen.
Max Bruch reihte sich mit seiner Kammermusik vor allem in die klassisch-romantische Tradition Ludwig van Beethovens ein und wurde daraufhin oftmals mit dem Ruf eines »konservativen und rückwärtsgewandten« Komponisten bedacht. Anders als seine Zeitgenossen nämlich, die sämtliche Neuerungen in der Musik auszuprobieren wagten, pflegte Bruch die Traditionen der zurückliegenden Epochen und band sie in seine Kompositionen ein. In Anlehnung an Beethovens Septett op. 20 erklingt auch Bruchs Septett für zwei Violinen, Violoncello, Kontrabass, Klarinette, Horn und Fagott Es-Dur in gemischter Besetzung von Holz- und Blechbläsern mit Streichern in einem traditionell, »serenadenhaft« anmutenden Klanggerüst, strukturiert in einer »klassischen« Viersätzigkeit.
Nachdem der gebürtige Pole Alexandre Tansman 1940 vor den Nationalsozialisten nach Frankreich fliehen musste, setzte er ein Jahr später auf den amerikanischen Kontinent über. Prägend für sein dortiges Schaffen war – neben dem Komponieren von zahlreichen Filmmusiken – insbesondere seine Begegnung mit Igor Strawinsky, der maßgeblich seinen musikalischen Stil beeinflusste. Tansmans Musique für Klarinette und Streichquartett verschafft dem Hörer einen Eindruck vom versierten Stil des Komponisten.
Franz Schuberts Oktett F-Dur D 803, welches wohl zu den bekanntesten kammermusikalischen Werke überhaupt gezählt werden darf, hat im Laufe der Zeit immer wieder Komponisten dazu angespornt, in Anknüpfung an dieses eine eigene Komposition zu verfertigen. Grund dafür war stets, ein abendfüllendes Konzertprogramm durch eine Kombination beider Werke gestalten zu können. Auch das Octuor für Streichquintett, Klarinette, Horn und Fagott von Jean Françaix verdankt seine Existenz einem derartigen Bemühen. Die traditionelle Besetzung von Schubert wurde von Françaix übernommen, jedoch in zeitgemäßer Form zu neuem Leben erweckt. Doch das Oktett spielt nicht nur in Punkto Besetzung mit dem Kontrast zwischen Tradition und Moderne, sondern arbeitet diesen auch im Klang sowie in der Gestaltung des gesamten Werkaufbaus heraus: So steht ein klassisches, ruhiges Streicherquintett einem sich unvermutet anschließenden Quickstep mit stimmführender Klarinette und dominantem Horn im ersten Satz gegenüber. Auch der zweite Satz hält klangliche Kontraste zwischen Streichern und der Klarinette bereit, um schließlich im dritten Satz ein wenig Ruhe einkehren zu lassen und wiegenliedartig auf das große Finale vorzubereiten. Der letzte Satz mutet schließlich wie eine Persiflage an das große Vorbild an und zeichnet sich vor allem durch seine immer wieder hervorstechenden Dissonanzen aus. Durch Themenwiederholungen und Motiv-Reminiszenzen wird das Werk schließlich zu einem kompositorisch raffiniert gestalteten Ende geführt.
Eugène Bozza (1905–1991)
Divertissements für drei Fagotte
Allegro moderato – Adagio, ma non troppo – Allegro giocoso
Max Bruch (1838–1920)
Septett für zwei Violinen, Violoncello, Kontrabass, Klarinette, Horn und Fagott Es-Dur
Andante maestoso. Allegro con brio – Scherzo – Adagio – Largo. Allegro vivace. Agitato
– Pause –
Alexandre Tansman (1897–1986)
Musique für Klarinette und Streichquartett
Canzone: Andante – Scherzo: Vivo – Notturno Finale: Adagio tranquillo
Jean Françaix (1912–1997)
Octuor für Streichquintett, Klarinette, Horn und Fagott
Moderato. Allegrissimo – Scherzo – Andante. Adagio – Mouvement de Valse
Besetzung
Eugène Bozza (1905–1991)
Johannes Overbeck, Virgilio Oliveira, Cornelius Rinderle Fagott
Max Bruch (1838–1920)
Katarzyna Woznica, Birgit Seifart Violine
Clemens Weigel Violoncello
Sophie Lücke Kontrabass
Michael Meinel Klarinette
Dorothea Bender Horn
Oliveira Virgilio Fagott
Alexandre Tansman (1897–1986)
Michael Meinel Klarinette
Kumiko Yamauchi, Birgit Seifart Violine
Cornelius Mayer Viola
Clemens Weigel Violoncello
Jean Françaix (1912–1997)
Kumiko Yamauchi, Birgit Seifart Violine
Cornelius Mayer Viola
Clemens Weigel Violoncello
Sophie Lücke Kontrabass
Michael Meinel Klarinette
Dorothea Bender Horn
Cornelius Rinderle Fagott