»Tastenspiele«

Kammerkonzert

Bis zum Anschlag

Amédée Rasetti, der sich zuweilen selbst gerne als »Gottes Liebling« bezeichnete, war ein Zeitgenosse Mozarts, der bereits im Alter von 40 Jahren verstarb. Eines seiner bekanntesten Werke ist das Trio für Flöte, Fagott und Klavier in F-Dur op. 13 Nr. 1. Auf den Anfang, der überaus angenehm und mit einigen harmonischen Überraschungen ausfällt, folgt ein bedächtiger, melancholischer Mittelsatz in a-Moll und ein reißerisches Ende von höchster Virtuosität. Vor allem dem Fagott wird ein für die damalige Zeit ungewöhnlich großer Tonumfang abverlangt, der mit dem d’’ den Rahmen des bisher Üblichen sprengte. Rasettis Trios mit ihrer ungewöhnlichen Besetzung aus Flöte und Fagott gehören sicherlich zu den Glanzlichtern des relativ überschaubaren Repertoires für diese Instrumente.

Antonín Dvořák komponierte sein 1875 entstandenes Klavierquartett in D-Dur op. 23 in seiner »Slawischen Periode«, wodurch es als ein Zeugnis seiner tiefen Verbundenheit zur Volksmusik seiner Heimat Böhmen angesehen werden darf. Das anfangs fast unscheinbar anmutende Cellothema, das von der Violine sacht in Moll abgesetzt und vom Klavier in die hellsten Klänge getaucht wird, mündet schließlich in eine von Rhythmus und Kraft geprägte Überleitung und kehrt an späterer Stelle in gesteigerter Form wieder. Ähnlich lyrisch-volkstümlich zugeschnitten ist auch das Seitenthema des Satzes.

Nahezu einhundert Jahre lang gerieten die Werke der französischen Komponistin Louise Farrenc in Vergessenheit. Erst in den 1980er Jahren wurden sie durch eine Dissertation von Bea Friedland, die sich mit der musikwissenschaftlichen Geschlechter- und Frauenforschung in der französischen Klassik beschäftigte, wiederentdeckt. Ihr Sextett in c-Moll für Klavier und Bläserquintett op. 40 aus dem Jahr 1852 ist enorm reich an musikalischen Einfällen und deckt eine große Bandbreite der damaligen musikalischen Stilrichtungen ab. Durch die Flöte wird die Bläsergruppe zu einem vollständigen Quintett ausgebaut, was den Effekt hat, dass dem Klavier ein vollständiger Klangkörper gegenübergestellt wird. Der Aufbau des Stückes ist an die Tradition der Wiener Klassik angelehnt, was sich vor allem in den Abspaltungen des markanten Motivs in den Bläsern sowie durch die Themenentwicklung erkennen lässt.

Amédée Rasetti (1759–1799)
Trio für Flöte, Fagott und Klavier F-Dur op. 13 Nr. 1
Allegro molto Andantino Allegro assai

Antonín Dvořák (1841–1904)
Klavierquartett Nr. 1 D-Dur op. 23
Allegro moderato Andantino Finale. Allegretto scherzando, Allegro agitato

– Pause –

Louise Farrenc (1804–1875)
Sextett für Flöte, Oboe, Klarinette, Horn, Fagott und Klavier c-Moll op. 40
Allegro Andante sostenuto Allegro vivace

Besetzung


Amédée Rasetti (1759–1799)
Trio für Flöte, Fagott und Klavier F-Dur op. 13 Nr. 1
Allegro molto Andantino Allegro assai

Andreas Kowalewitz   Klavier
Uta Sasgen   Flöte
Cornelius Rinderle   Fagott

Antonín Dvořák (1841–1904)
Klavierquartett D-Dur op. 23
Allegro moderato Andantino Finale. Allegretto scherzando, Allegro agitato

Monika Grünwald   Klavier
Anne-Christine Moser   Violine
Cornelius Mayer   Viola
Stefan Schütz   Violoncello

– Pause –

Louise Farrenc (1804–1875)
Sextett für Flöte, Oboe, Klarinette, Horn, Fagott und Klavier c-Moll op. 40
Allegro Andante sostenuto Allegro vivace

Kazue Weber-Tsuzuki   Klavier
Annette Hartig   Flöte
George Kobulashvili   Oboe
Rolf Weber   Klarinette
Linus Bernoulli   Horn
Cornelius Rinderle   Fagott