»Quintessenz«

Kammerkonzert

Der Frühromantiker Conradin Kreutzer schrieb das Trio für Klarinette, Fagott und Klavier in Es-Dur op. 43 in seinen Donaueschinger Jahren zwischen 1818 und 1822. In dieser biedermeierlich-romantischen Komposition findet sich auch seine Vorliebe für die Klarinette wieder, die in ihren fröhlichen, fast volkstümlichen Melodiepassagen vom nie dominierenden und doch brillanten Klavierpart sowie der warmen Klangfarbe des Fagotts getragen wird. 

Georg Otto Deigendesch, ein niederbayrischer Musiklehrer, bemühte sich mit 29 Jahren um einen Studienplatz bei Max Reger. Handschriftlich bestätigte Reger ihm 1906, er könne es »auf Grund dieser Kompositionen ganz artig riskieren, Musiker zu werden.« Er selbst könne ihn aber nicht unterrichten, da er nicht mehr in München tätig sei. Für die Anmeldung in der königlichen Akademie der Tonkunst schrieb er weiter: »damit die Herren Direktoren ersehen können sogleich, dass in Ihnen die Akademie der Tonkunst recht einen sehr tüchtigen und talentierten Schüler erhalte wird! Ihre Kompositionen sind sehr geschickt gemacht, verraten ein nicht gering zu schätzendes Charakterisierungsvermögen und schon sehr anerkennungswerte Satztechnik.« Das kompositorische Schaffen des Spätromantikers umfasst an die 70 Werke, darunter auch das einsätzige Streichquartett in B-Dur.

Zum Ende des Regerjahres 2016 findet auch dessen letztes Werk aus dem Jahre 1916 den Weg in dieses Kammerkonzert. Das nach seinem Tod uraufgeführte Quintett für Klarinette, zwei Violinen, Viola und Violoncello in A-Dur op. 146 führte in den Rezensionen zu schwelgerischen Assoziationen: »Über dem elegischen Werk ruht es wie der tiefe, heilige Friede eines milden Herbstabends, den die letzten Strahlen der sinkenden Sonne in ein leuchtendes Gold kleiden.«  In der Tat ist der stille, introvertierte Ausdruck und der feine Klang ein Gegensatz zu früheren pathetischen Kompositionen Regers.

Einen Exkurs in den europäischen Norden bilden die Finnischen Tangos, die Peter Grans für vier Kontrabässe arrangiert hat. Der am Ende des 19. Jahrhunderts in Südamerika entstandene Tanz kam Anfang der 1910er Jahre nach Finnland und inspirierte viele Komponisten zu eigenen Tango-Kompositionen. Durch den oft dunklen bis düsteren Charakter der Tango-Musik fühlten sich viele finnische Komponisten – darunter Toivo Kärki (1915–1992) und Kullervo Linna (1911–1987) – in ihrem Leiden unter der russischen Herrschaft verstanden. In den finnischen Tangos überwiegt darum nicht selten ein wehmütiger und sentimentaler Ton.      

Conradin Kreutzer Trio für Klarinette, Fagott und Klavier Es-Dur op. 43
Georg Otto Deigendesch
Streichquartett B-Dur
Max Reger Quintett für Klarinette, zwei Violinen, Viola und Violoncello A-Dur op. 146
Finnische Tangos für vier Kontrabässe bearbeitet von Peter Grans
Toivo Kärki: »Weil ich so unglücklich bin« – Volkslied: »Abends singe ich so allein« –  Kullervo Linna: »Goldene Jugend« (Walzer) – Kullervo Linna: »Traumbild«

Besetzung


Conradin Kreutzer: Trio für Klarinette, Fagott und Klavier Es-Dur op. 43
Rolf Weber  Klarinette
Cornelius Rinderle  Fagott
Kazue Tsuzuki  Klavier

Georg Otto Deigendesch: Streichquartett B-Dur
Katja Lämmermann  Violine
Ludwig Hahn  Violine
Dorothea Galler  Viola
Franz Lichtenstern  Violoncello

Finnische Tangos für vier Kontrabässe bearbeitet von Peter Grans
Eugen Hoesch, Sophie Lücke, Michael Neumann, Stefan Telser  Kontrabass

Max Reger: Quintett für Klarinette, zwei Violinen, Viola und Violoncello A-Dur op. 146
Rolf Weber  Klarinette
Katja Lämmermann  Violine
Ludwig Hahn  Violine
Dorothea Galler  Viola
Franz Lichtenstern  Violoncello