»Paris – München – Moskau«
Im Zentrum dieses Kammerkonzerts steht zum 100. Todestag von Max Reger ein Zwillingswerk aus seiner Münchner Zeit. Zwei Trios in unterschiedlichen Besetzungen, die er unter einer gemeinsamen Opuszahl veröffentlichte. Reger selbst nannte sein Streichtrio Nr. 1 a-Moll op. 77b und seine Serenade für Flöte, Violine und Viola op. 77a ein »Schwesternwerk«, auch wenn sie an unterschiedlichen Terminen – das Streichtrio am 29. November, die Serenade am 14. Dezember 1904 – uraufgeführt wurden. In beiden Stücken verwundert vor allem die für Reger untypische wenig komplizierte Faktur. Er selbst charakterisierte sein op. 77 als »urfidel« und »putzig« und sah darin auch ein musikalisches Argument gegen seine Konkurrenten und Kritiker: »Ich erhoffe mir mit meinem op. 77 eine gehörige Bresche in die Reihe meiner Feinde zu schlagen, derer, die da immer sagen, ich wäre geschwülstig und immer absichtlich gesucht originell.«
Den Münchner Werken Regers voran gehen zwei kammermusikalische Kleinodien aus französischen Federn, die zwar unterschiedlichen Charakters sind, aber über ähnlichen Nuancenreichtum verfügen. Zwar hatte sich der aus Bordeaux stammende Komponist Henri Sauguet stets für die neuesten Entwicklungen in der Musik interessiert und in Paris sogar selbst mit den Methoden der Musique concrète experimentiert, doch konnte er den avantgardistischen Strömungen nicht viel Inspirierendes abgewinnen. Sein Concert a trois pour Fronsac für Flöte, Saxophon und Harfe ist zugleich neoromantisch und neo-klassizistisch und zeugt von Sauguets Fähigkeit, sowohl tiefgründig und gehaltvoll wie auch unbeschwert zu komponieren. Darin wurde er durchaus von seinem Privatlehrer Charles Koechlin beeinflusst. Dieser war ein großer Verehrer des Saxophons, das zwar schon 1840 erfunden worden war, aber erst Anfang des 20. Jahrhunderts populär wurde. Vor allem bewunderte er die erotische Kraft dieses neuen Instruments und verwendete es in seinem Epitaphe de Jean Harlow aus dem Jahr 1937, also seinem musikalischen Nachruf an die im selben Jahr verstorbene Hollywoodlegende Jean Harlow. Neben Flöte und Harfe beschwört das Saxophon die Schönheit und die Ausdruckskraft der blonden Schauspielerin.
Ebenso einfach und einfallsreich wie die vorigen Werke ist auch Sergej Prokofjews Quintett für Oboe, Klarinette, Violine, Viola und Kontrabass g-Moll op. 39. Bereits 1924 entstand eine Urfassung des Quintetts in Paris und war zunächst als Ballettmusik für eine Choreografie Boris Romanows für die berühmten Ballets Russes gedacht. Unter dem Titel »Trapèze« erzählt es in mehreren Episoden aus dem Leben im Zirkus. 1927 wurde das Werk – in überarbeiteter Fassung – erstmals als reines Kammermusikstück in Moskau aufgeführt. Der eigenwillige Ton des Quintetts ergibt sich aus der scheinbar simplen Machart, die jedoch mit clownesken und akrobatischen Wendungen an einfallsreicher Originalität gewinnt.
Henri Sauguet Concert a trois pour Fronsac
Charles Koechlin Romanze für Flöte, Saxofon und Harfe
Max Reger Streichtrio Nr. 1 a-Moll op. 77b
Max Reger Serenade für Flöte, Violine und Viola D-Dur op. 77a
Sergej Prokofjew Quintett für Oboe, Klarinette, Violine, Viola und Kontrabass g-Moll op. 39
Besetzung
Henri Sauguet: Concert a trois pour Fronsac
Charles Koechlin: Romanze für Flöte, Saxofon und Harfe
Annette Hartig Flöte
Hermann Rid Saxophon
Martina Holler Harfe
Max Reger: Streichtrio Nr. 1 a-Moll op. 77b
Katja Lämmermann Violine
Dorothea Willert Viola
Hans-Peter Besig Violoncello
Max Reger: Serenade für Flöte, Violine und Viola D-Dur op. 77a
Heinz Hennen Flöte
Daniela Willert Violine
Cornelius Mayer Viola
Sergej Prokofjew: Quintett für Oboe, Klarinette, Violine, Viola und Kontrabass g-Moll op. 39
Robert Sailer Oboe
Michael Meinel Klarinette
Kumiko Yamauchi Violine
Dorothea Galler Viola
Thomas Hille Kontrabass