»In höchsten Tönen«
Der Franzose Georges Auric gehörte der Komponistenvereinigung Groupe des Six an, welche einen neuen, einfachen Stil in Abgrenzung zum musikalischen Impressionismus in Frankreich sowie zur spätromantischen Musik Richard Wagners propagierte. In den 1930er Jahren wendete sich Auric schließlich verstärkt dem Verfassen von Filmmusik zu. In diese Zeit fällt auch die Komposition seines Trios d’anches für Oboe, Klarinette und Fagott, ein dreisätziges Werk von klarer, unprätentiöser Struktur, welches durch seinen unbeschwerten, heiteren Grundton besticht.
Das Quintett für Piccoloflöte und Streichquartett des englischen Komponisten Graham Waterhouse erlebte seine Uraufführung am 1. Januar 1990 anlässlich eines privaten Konzerts in London. Dem einsätzigen Werk liegt ein an die Sonatenhauptsatzform angelegter Aufbau zugrunde. Eine der wesentlichen Intentionen des Komponisten bei der Entstehung des Quintetts bestand darin, die Piccolo-Flöte soweit wie möglich in den Klang der Streichergruppe zu integrieren. Zugleich werden die großen Abstände zwischen den Lagen von Piccolo und Streichern mehrmals dazu genutzt, spezielle harmonische Klangeffekte zu erzeugen.
Seinen Zeitgenossen war der französische Komponist und Flötist François Devienne vor allen Dingen als Verfasser zahlreicher Bühnenwerke und Solokonzerte für Flöte und Fagott ein Begriff. Seit den 1970er Jahren erlebt sein ebenfalls achtbares kammermusikalisches Werk durch zahlreiche neuzeitliche Aufführungen und Einspielungen eine beachtliche Wiederbelebung. Sein Quartett g-Moll für Fagott, Violine, Viola und Violoncello op. 73 Nr. 3 vermittelt dem Hörer einen Eindruck vom ausnehmend einfühlsamen Stil des Komponisten.
Felix Mendelssohn Bartholdy schrieb sein Streichquintett Nr. 2 B-Dur op. 87 im Sommer 1845 in Bad Soden am Taunus für einen guten Freund, den Leipziger Konzertmeister Ferdinand David, für welchen er bereits ein Jahr zuvor sein berühmtes e-Moll Violinkonzert komponiert hatte. So ist es nur wenig verwunderlich, dass der Gestus der Geigenstimme des Quintetts insgesamt recht konzerthaft und virtuos ausgefallen ist: Bereits der Beginn des Werkes, mit seinem melodiösen Aufschwung der 1. Violine, mutet wie eine Erinnerung an das Violinkonzert an. Das Scherzando in g-Moll stellt eher eine Art Intermezzo dar. Das anschließende Adagio hingegen bildet eine Elegie mit nahezu orchestral anmutender Klangwirkung. Das Finale, welches den Komponisten laut einer überlieferten Aussage seines Freundes Ignaz Moscheles nicht vollkommen zufriedengestellt haben soll, weist – etwa in der Verbindung von konzertanten und kontrapunktischen Elementen – alle wesentlichen Merkmale auf, welche wir heute von einem reifen Werk Mendelssohn Bartholdys erwarten.
Georges Auric Trio d’anches für Oboe, Klarinette und Fagott
Graham Waterhouse Quintett für Piccoloflöte und Streichquartett
François Devienne Quartett g-Moll für Fagott, Violine, Viola und Violoncello op. 73 Nr. 3
Felix Mendelssohn Bartholdy Streichquintett Nr. 2 B-Dur op. 87