»Holz - Klang - Farben«

Kammerkonzert

Atemberaubend

Der tschechische Violinvirtuose und Komponist Franz Krommer erhielt bereits im frühen Kindesalter Orgel und Klavierunterricht, ehe er schließlich als junger Mann seine Laufbahn als europaweit bekannter und geschätzter Musiker begann. In deren Verlauf wendete er sich ausschließlich dem Verfassen von Instrumentalwerken wie Kammermusiken, Konzerten und Symphonien zu. Sein Quartett für Fagott, zwei Violen und Violoncello B-Dur op. 46 Nr. 1 ist seiner Besetzung nach zu urteilen ein eher ungewöhnliches Werk. Krommers Stück spielt mit den typischen Klängen des Fagotts und stellt durch die eigenwillige Instrumentenkombination – insbesondere durch den Verzicht auf eine Gegenstimme – besonders eine dunkle Klangfärbung in den Vordergrund.

Der deutsche Komponist und Hornist Franz Kanefzky erhielt seine musikalische  Ausbildung am Konservatorium seiner Heimatstadt Augsburg, ehe er 1991 als Hornist beim Münchner Rundfunkorchester engagiert wurde, dem er seither angehört. Seine 1992 entstandenen Drei Episoden für Englischhorn und Harfe op 4/2 charakterisiert der Komponist mit folgenden Worten: »Es sind  Gedanken, auf deren musikalische Ausarbeitung als Stilmittel verzichtet wird. Musik, die sich durch kurzes Eintauchen in emotionale Stimmungen, durch chromatisch schwer fassbare Melodiegebung und teils bitonale Harmonisierung bewusst weigert, im Gedächtnis zu verbleiben. Der Focus liegt auf dem Jetzt. Dem momentan und unwiederbringlich Erlebenden.«

Seinen Zeitgenossen galt Charles Koechlin als »Zauberer der Musik«. Zu seinen zahlriechen Bewunderern zählten unter anderem seine Musikerkollegen Claude Debussy, Maurice Ravel und Darius Milhaud, um nur einige zu nennen. Seinen ausgezeichneten Ruf erwarb sich Koechlin vor allem aufgrund seines unerschöpflichen Erfinderreichtums, insbesondere was die Erschaffung neuartiger Klangerlebnisse betraf. Auch in seiner Suite en Quatuor für Flöte, Violine, Viola und Klavier tritt diese Qualität deutlich hervor, wo sie vor allem durch eine oftmals unvorhersehbare Kombination der einzelnen Instrumente erzeugt wird.

 

Wolfgang Amadeus Mozart schrieb sein 1789 uraufgeführtes Klarinettenquintett A-Dur KV 581 eigens für den mit ihm befreundeten Wiener Klarinettisten Anton Stadler – für den er später auch sein berühmtes Solo-Konzert für Klarinette und Orchester KV 622 schreiben sollte. Gerade die Klarinette hatte es Mozart aufgrund ihres vergleichbaren Timbres zur menschlichen Gesangssingstimme sehr angetan. Doch auch die damalige Novität des Instruments reizte Mozart sehr, wie der Komponist einst in einem Brief an seinen Vater selbst formulierte: »Ach, wenn wir in Salzburg nur auch Klarinetten hätten! – Sie glauben nicht, was eine Sinfonie mit Flöten, Oboen und Klarinetten einen herrlichen Effekt macht«. Besonders auffällig in diesem Werk ist das Verschmelzen von Heiterkeit und Trauer, was sich aus dem besonderen Zusammenspiel von Klarinette und den Streichern ergibt und durch den stetigen Wechsel von Dur zu Moll noch weiter unterstützt wird. Hierbei ist stets der Spagat zwischen dem konzertanten Anspruch des Blasinstruments und der Besetzung eines typischen Streicherquartetts zu spüren.

 

Franz Krommer (1759–1831)
Quartett für Fagott, zwei Violen und Violoncello B-Dur op. 46 Nr. 1
Allegro – Andante – Menuetto. Moderato – Rondo

Franz Kanefzky (*1964)
Drei Episoden für Englischhorn und Harfe op 4/2.
Adagio – Vivace scherzando – Andante affettuoso

Charles Koechlin (1867–1950)
Suite en Quatuor für Flöte, Violine, Viola und Klavier
Moderato quasi andante – Andante quasi adagio – Finale: Allegro con moto. Bien décidé

 

Pause

Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791)
Klarinettenquintett A-Dur KV 581
Allegro – Larghetto – Menuetto. Trio I. Trio II – Allegretto con variazioni

Besetzung


Annette Hartig, Flöte
Ursula Ens, Englischhorn
Lars Zolling, Klarinette
Johannes Overbeck, Fagott
Katarzyna Reifur, Violine
Birgit Seifart, Violine und Viola
Dorothea Galler, Viola
Stefan Schütz, Violoncello
Tomoko Nishikawa, Klavier
Martina Holler, Harfe