»Große Fuge«
Auf Betreiben seiner russischen Gönnerin Nadeshda von Meck komponierte der 18-jährige Claude Debussy sein Klaviertrio in G-Dur im Sommer 1880 auf einer Reise durch Italien. Der Großteil des autographen Materials galt lange Zeit als verschollen und wurde erst nach mehr als 100 Jahren 1982 im Nachlass des Debussy-Schülers Maurice Dumesnil wiederentdeckt. Obwohl seiner äußeren Form nach dem klassischen Formmodell aus Allegro, Scherzo, Andante und Allegro-Finale verpflichtet, überrascht das Werk dennoch durch seine melodische Frische und für Debussy typischen Tonfälle und Wendungen.
Béla Bartók hat im Laufe seines kompositorischen Wirkens eine beachtliche Anzahl an kammermusikalischen Werken geschaffen. Seine »Kontraste« für Violine, Klarinette und Klavier Sz 111 entstanden als Auftragskomposition für den Geiger Joseph Szigeti und den Jazz-Klarinettisten Benny Goodman. Letzterer hatte Bartók um eine Komposition für Klarinette, Violine und Klavier gebeten, möglichst mit einem langsamen und einem schnellen Satz und insgesamt nicht länger als die Spielzeit einer damaligen Normalschallplatte, was einer Dauer von maximal 16 Minuten entsprach. Dies war der Anlass für die Komposition der »Kontraste«, bei deren New Yorker Erstaufführung der Komponist höchstselbst den Pianopart übernahm.
In der Musik von Sofia Gubaidulina verbinden sich Avantgarde und historische Musikstile, zuweilen in Ergänzung mit erzählenden, außermusikalischen Quellen, zu einer eindringlichen Synthese. Als solche außermusikalischen Impulsgeber dienen ihr häufig literarische Texte, so auch in ihrer Komposition »Garten von Freuden und Traurigkeiten« für Flöte, Viola und Harfe aus dem Jahr 1980, in welcher ein Gedicht des zeitgenössischen Autors Francisco Tanzer von den ausführenden Musikern in die Musik hinein rezitiert wird. In ihrem Trio verarbeitet Gubaidulina die Klangwelten des fernen Ostens, indem sie, gemäß der chinesischen oder koreanischen Tradition, die Musik zunächst aus einer äußersten Ruhe heraus entstehen lässt, welche sich zwischenzeitlich zu einem aufgeregten Höhepunkt steigert, um danach abermals in die anfängliche Ruhe zurückzufallen. Alle drei Instrumente werden hierbei durch besondere Spieltechniken ihren ostasiatischen Gegenstücken, Bambusflöte, asiatischem Streichinstrument und fernöstlicher Zither, angenähert.
Ursprünglich hatte Ludwig van Beethoven seine »Große Fuge« als Finalsatz für sein Streichquartett B-Dur op. 130 vorgesehen. Aufgrund seiner gänzlich neuartigen Tonsprache entschloss sich der Komponist jedoch letztlich dazu, das Werk mit einer eigenständigen Opuszahl zu versehen und isoliert als »Große Fuge« für Streichquartett B-Dur op. 133herauszubringen. Anders als es der Titel des Werkes vielleicht zunächst vermuten lässt, handelt es sich bei diesem nicht etwa um eine reine Fuge im traditionellen Sinne, sondern vielmehr um ein Stück, welchem zwar eine Fuge zugrunde liegt, das jedoch in weiten Teilen lediglich aus homophonen Elementen in einem freieren Fugatostil besteht. Der drohend klingenden Einleitungsphrase der Overtura folgt zunächst noch ein sanftmütiger Abschnitt, auf welchen jedoch bereits kurz darauf die schroff einsetzende Fuge mit ihren vielfältigen Variationen folgt. Im abschließenden Allegro werden die Themen der Fuga, des folgenden Meno mosso e moderato und der einleitenden Overtura nochmals wiederholt, bevor das Werk schließlich zu einem lebhaften und beschwingten Ausklang findet.
Besetzung
Claude Debussy
Klaviertrio G-Dur
Andantino con moto allegro, Allegro appassionato, Tempo primo –
Scherzo, Intermezzo. Moderato con allegro – Andante espressivo –
Finale, Appassionato
Monika Grünwald Klavier
Anne-Christine Moser Violine
Stefan Schütz Violoncello
Béla Bartók
»Kontraste« für Violine, Klarinette und Klavier Sz 111
Verbunkos: Moderato ben ritmico – Pihenő: Lento – Sebes: Allegro vivace
Susanne Sonnemann Violine
Michael Meinel Klarinette
Aya Meinel Klavier
Sofia Gubaidulina
»Garten von Freuden und Traurigkeiten« für Flöte, Viola und Harfe
Annette Hartig Flöte
Dorothea Galler Viola
Martina Holler Harfe
Ludwig van Beethoven
»Große Fuge« für Streichquartett B-Dur op. 133
Kumiko Yamauchi, Christian Schödl Violine
Dorothea Galler Viola
Franz Lichtenstern Violoncello