»Eine Reise durchs barocke Italien«
Wie nahezu sämtliche Konzerte Antonio Vivaldis, so ist auch sein Konzert für Streicher A-Dur RV 158 in einer dreisätzigen Abfolge von schnell-langsam-schnell aufgebaut. Besonders hervorzuheben ist bei diesem der Dialog der beiden Geigengruppen sowie der, im Vergleich zu den meisten anderen Konzerten für Streichorchester, auffallend ausgedehnte langsame Satz. Das Finale des Werkes deutet zudem bereits auf die klassische Sonatenform hin.
Innerhalb der mehr als 500 überlieferten Werke Leonardo Leos nehmen seine sechs Cellokonzerte, darunter sein Konzert für Violoncello und Streicher Nr. 3 d-Moll, eine besondere Stellung ein. Kennzeichnend für diese ist eine meisterhafte Beherrschung sowohl des leidenschaftlich-erhabenen wie auch des naiv-zarten Stils.
Der aus Bergamo stammende Pietro Antonio Locatelli wird zuweilen auch als der »Paganini des 18. Jahrhunderts« bezeichnet. Sein Concerto à quattro Nr. 6 Es-Dur op. 7, welches den Untertitel »Il pianto d’Arianna« (»Die Klage der Ariadne«) trägt – eine Anspielung nicht nur auf die antike Sage von Ariadne und Theseus, sondern auch auf Claudio Monteverdis Opernfragment »Lamento d’Arianna« von 1608 – legt den Fokus beinahe ausschließlich auf die erste Solovioline, welche von einer weiteren Violine, einem Cello sowie einem Streichorchester unterstützt wird.
Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte der in ganz Europa vor allem wegen seiner Opern überaus geschätzte Tomaso Albinoni im Jahre 1722 durch die Veröffentlichung seiner bis dahin ambitioniertesten Konzertsammlung, der 12 Concerti a cinque op. 9, darunter auch das Konzert für zwei Oboen, Streicher und Continuo Nr. 12 D-Dur, welche er dem Kurfürsten Maximilian II. Emanuel von Bayern widmete. Im Gegensatz zu den virtuosen Werken seines Landsmanns Vivaldi, sind die Soloparts in dessen Konzerten weniger anspruchsvoll gestaltet und wesentlich sparsamer im Einsatz von Chromatik und unerwarteten Modulationen, bestechen jedoch durch ihre hohe stilistische Reife und formale Klarheit.
Anders als die meisten seiner komponierenden Zeitgenossen, setzte sich der Neapolitaner Francesco Durante nicht mit dem weltlichen Musikdrama, sondern vielmehr mit den kirchenmusikalischen und instrumentalen Gattungen seiner Zeit auseinander. Seine zahlreich erhaltenen Werke, darunter das Konzert für Streicher Nr. 1 f-Moll, weisen hinsichtlich ihrer formalen Anlage, Melodiebildung und Besetzung alle wesentlichen Bestandteile der barocken Musiksprache auf.
Arcangelo Corellis Werke hatten weitreichenden Einfluss auf die Entwicklung der Kammermusik sowie insbesondere der von ihm mitentwickelten Gattung des Concerto grosso. Seine Concerti grossi op. 6, darunter das Concerto grosso Nr. 4 D-Dur, wurden in England bis ins 19. Jahrhundert hinein gespielt und selbst denjenigen Händels vorgezogen. Sein virtuoser Musizierstil wurde zur Grundlage der modernen Violintechnik des 18. und 19. Jahrhunderts, von welchem zahlreiche nachfolgende Komponisten beeinflusst wurden.
Besetzung
Solisten und Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz
Antonio Vivaldi (1678–1741)
Konzert für Streicher A-Dur RV 158
Allegro molto – Andante molto – Allegro
Leonardo Leo (1694–1744)
Konzert für Violoncello und Streicher Nr. 3 d-Moll
Andante grazioso – Con spirito – Amoroso – Allegro
Stefan Schütz Violoncello
Pietro Antonio Locatelli (1695–1764)
Concerto à quattro Nr. 6 Es-Dur op. 7 »Il pianto d’Arianna«
Andante, allegro, adagio, andante, allegro – Largo –
Largo andante – Grave – Allegro – Largo
– Pause –
Tomaso Albinoni (1671–1751)
Konzert für zwei Oboen, Streicher und Continuo Nr. 12 D-Dur op. 9
Allegro – Adagio – Allegro
Robert Sailer, Tomoko Shimazaki Oboe
Francesco Durante (1684–1755)
Konzert für Streicher Nr. 1 f-Moll
Poco andante – Allegro – Andante – Amoroso – Allegro
Arcangelo Corelli (1653–1713)
Concerto grosso Nr. 4 D-Dur op. 6
Adagio, allegro – Adagio, vivace – Allegro