»Damenbesuch«
Später Durchbruch
Das Klavierquartett a-Moll wurde von Gustav Mahler im Alter von sechzehn Jahren anlässlich eines Schulwettbewerbs geschrieben und am 1. Juli 1876 uraufgeführt. Ursprünglich handelte es sich bei diesem um ein vollständiges Klavierquartett, von dem jedoch nur der Allegro-Satz erhalten geblieben ist (zu einem Scherzo-Satz existieren lediglich noch einige grob ausgearbeitete Skizzen). Die relative Unbekanntheit des Werkes lässt sich wohl nicht nur aus dessen Unvollständigkeit heraus erklären, sondern auch aus dem nachlässigen Umgang des Komponisten mit seinen eigenen Werken, insbesondere im Bereich der Kammermusik. Umso mehr steht das Überlieferte als überzeugendes Dokument für Mahlers kammermusikalischen Stil und seine frühe Begabung.
Wie viele weibliche Komponisten ihrer Zeit, so hatte auch Fanny Hensel, die Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy, mit diversen Schwierigkeiten zu kämpfen. So wurde ihren kompositorischen Arbeiten zu Lebzeiten nur wenig Beachtung geschenkt. Zwar wurde sie ebenso wie ihr Bruder von Kindesbeinen an in der Musik geschult und erhielt etliche Jahre Klavierunterricht, doch wurde ihrem musikalischen Können allenfalls im privaten Kreis bei Sonntagsmusiken im Hause Mendelssohn Anerkennung gezollt. Erst in ihrem letzten Lebensjahr widersetzte sich Fanny dem Willen ihres Bruders und veröffentlichte einige ihrer Kompositionen, darunter das Streichquartett Es-Dur. Ihr Herausgeber Günter Marx beschrieb den melodiösen Charakter des Werkes wie folgt: »Die Romanze begnügt sich nicht mit der unterschiedlichen Ausleuchtung des schönen liedhaften Themas, sondern erzählt, höchst romantisch, ein ganzes Drama.« In der Tat kann der übermütige letzte Satz, der das Rondothema in immer wieder neuen, überraschenden Formen variiert, beim Hörer eine als »dramatisch« zu bezeichnende Stimmung hervorrufen. Mag das Stück im Ganzen auch eine Aura versprühen, die an den späten Beethoven erinnert, so mutet es durch seinen Verzicht auf einen Hauptsatz in Sonatenform jedoch zugleich eher wie eine Reihe romantischer Fantasie-Stücke an.
Wie auch andere Werke von Johannes Brahms, so hat das Klavierquintett f-Moll op. 34 eine lange Entstehungszeit hinter sich. Bereits eine frühe Version wurde von Clara Schumann als »wundervoll großartig« gepriesen. Den Anstoß zur weiteren Vollendung gab schließlich der große Wagner-Dirigent Hermann Levi, dessen Meinung über die finale Fassung des Quintetts, »ein Meisterwerk von Kammermusik«, sowohl Aufschluss über dessen Urteilskraft wie auch seinen Geschmack gibt. Die Endfassung erschien letztlich im Dezember 1865 und birgt Verweise auf zwei Komponisten, denen Brahms sehr zugetan war und denen er mit seinem Werk eine persönliche Huldigung aussprach. So bergen das Scherzo wie auch das Finale Verweise auf Richard Wagner, mit dem Brahms ansonsten eher selten in Verbindung gebracht wird: Beispielsweise erinnert das hämmernde Motiv des Scherzos stark an die Darstellung Nibelheims in Wagners Oper »Das Rheingold«. Die exzessive Chromatik der einleitenden Takte des Finales hingegen weckt Assoziationen zur »Tristan«-Harmonik. Hierauf folgt ein stilistischer Umbruch durch ein Rondo, das ganz im Stile von Schuberts harmonischen Klangteppichen gehalten ist und welches das Quintett mit einer Stretta im 6/8-Takt zu seinem Abschluss führt.
Gustav Mahler (1860–1911)
Klavierquartett a-Moll
Nicht zu schnell. Mit Leidenschaft. Entschlossen – Scherzo
Fanny Hensel (1805–1847)
Streichquartett Es-Dur
Adagio ma non troppo – Allegretto – Romanze – Allegro molto vivace
– Pause –
Johannes Brahms (1833–1897)
Klavierquintett f-Moll op. 34
Allegro non troppo – Andante, un poco adagio – Scherzo.
Allegro – Finale. Poco sostenuto. Allegro non troppo. Presto non troppo
Besetzung
Gustav Mahler
Judith Adam, Violine
Dorothea Galler, Viola
Franz Lichtenstern, Violoncello
Anke Schwabe, Klavier
Fanny Hensel
Kumiko Yamauchi und Birgit Seifart, Violine
Gisela Sterff, Viola
Franz Lichtenstern, Violoncello
Johannes Brahms
Kumiko Yamauchi und Birgit Seifart, Violine
Dorothea Galler, Viola
Franz Lichtenstern, Violoncello
Anke Schwabe, Klavier