»Concerti per molti strumenti«
Antonio Vivaldi betreute über mehrere Jahre das Orchester des Ospedale della Pietá in Venedig, einem staatlich finanzierten Waisenhaus für Mädchen. Dort wurde den Waisen eine musikalische Ausbildung zuteil und sie erhielten die Möglichkeit, mehrere Instrumente zu erlernen. Unter den Blasinstrumenten waren im Ospedale insbesondere Fagott, Horn und Oboe beliebt, und so komponierte Vivaldi eine Reihe von Solo-Konzerten für diese Instrumente, darunter die beiden Konzerte für Violine, zwei Oboen, zwei Hörner, Fagott, Streicher und Continuo F-Dur RV 569 und RV 574, welche wahrscheinlich von den Mädchen im Ospedale uraufgeführt wurden.
Breits während seiner Zeit als Weimarer Organist, Kammermusiker und Konzertmeister hatte Johann Sebastian Bach in seinen frühen Präludien und Fugen damit begonnen, die neue italienische Konzertform zu adaptieren. In seinem etwa um 1716 entstandenen Tripelkonzert für Flöte, Violine, Cembalo und Streicher a-Moll BWV 1044 sollte er dessen Anforderungen schließlich vervollkommnen, was sich in einem ungewohnt farbig gestalteten Orchestersatz abzeichnet, welcher durch die Verwendung von Doppelgriffen, Pizzicato-Effekten und einer sehr fein abgestuften Dynamik auffallend vielseitig geformt ist.
In seinem schaffensreichen Leben schuf Georg Philipp Telemann ein quantitativ und qualitativ enorm umfangreiches Gesamtwerk, in welchem er scheinbar mühelos Einflüsse aus verschiedenen Kulturen zu einem unverwechselbaren Personalstil zu verschmelzen wusste. Seine zahlreichen für Flöteninstrumente gedachten Kompositionen schrieb er sowohl für die vor allem in Frankreich populäre Traversflöte wie auch für die Blockflöte. Die meisten Werke dieser Gattung, darunter sein Konzert für Blockflöte, Fagott, Streicher und Continuo F-Dur TWV 52:F1, konnten und können daher auf beiden Instrumenten ausgeführt werden.
Das Werk von Johann Friedrich Fasch, einem der bedeutendsten deutschen Instrumentalkomponisten der Barockzeit, zeichnet sich vor allem durch seinen auffallend reichen Bläsersatz sowie eine besonders ausgefeilte motivisch-thematische Arbeit aus. Seine für damalige Verhältnisse wegweisende Tonsprache lässt sich exemplarisch anhand seines Konzerts für zwei Oboen, Fagott, Streicher und Continuo c-Moll FaWV L:c2 erkennen, in welchem die einzelnen Solostimmen in einen angeregten Wechsel mit den Streichern und dem Continuo treten.
Antonio Vivaldi Konzert für Violine, zwei Oboen, zwei Hörner, Fagott, Streicher und Continuo F-Dur RV 569
Johann Sebastian Bach Konzert für Flöte, Violine, Cembalo und Streicher a-Moll BWV 1044
Georg Philipp Telemann Konzert für Blockflöte, Fagott, Streicher und Continuo F-Dur TWV 52:F1
Johann Friedrich Fasch Konzert für zwei Oboen, Fagott, Streicher und Continuo c-Moll FaWV L:c2
Antonio Vivaldi Konzert für Violine, zwei Oboen, zwei Hörner, Fagott, Streicher und Continuo F-Dur RV 574
Besetzung
Svetosar Anatchkov Violine
Annette Hartig Flöte
Robert Sailer, Ursula Ens Oboe
Johannes Bernhard, Alexander Boruvka Horn
Johannes Overbeck Fagott
Axel Wolf Laute
Olga Watts Cembalo
Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz