»Brass und Brahms«

Kammerkonzert

Innige Klangwelten

Von Anbeginn seines kompositorischen Schaffens stellt das Schreiben von Musikstücken für unterschiedliche Bläserbestzungen den maßgeblichen Schwerpunkt im Wirken des amerikanischen Komponisten, Dirigenten und Trompeters Anthony Plog dar. Sein 1996 entstandenes »Trio for Brass« für Flügelhorn, Horn und Posaune vermittelt einen imposanten Eindruck von den überraschend vielseitigen Klangfacetten der unterschiedlichen Blechblasinstrumente.

In den Jahren von 1945 bis 1975 zählte der deutsch-baltische Komponist, Librettist und Musiktheoretiker Boris Blacher zu den meistgespielten zeitgenössischen Tonsetzern im deutschsprachigen Raum, dessen Wirken – insbesondere als Kompositionslehrer – einen nachhaltigen Einfluss auf die Musik des 20. Jahrhunderts ausübte. Mit seiner vom Zuhörer klanglich leicht fassbaren Gestaltung und geistreich pointierten Instrumentierung weist Blachers Divertimento für Trompete, Posaune und Klavier nahezu alle wesentlichen Merkmale von dessen zuweilen bewusst reduziert wirkenden Kompositionsstil auf.

Die Musik des amerikanischen Komponisten Alec Wilder stellt eine einzigartige Mischung aus unterschiedlichen Einflüssen dar, welche Traditionen der europäischen Kunstmusik mit Jazz und amerikanischer Folklore verbindet. Zahlreiche Künstler, insbesondere aus dem populärmusikalischen Bereich (darunter der amerikanische Sänger und Entertainer Frank Sinatra), zählten zu Wilders bekennenden Verehrern. In dessen Suite Nr. 1 für Horn, Bassposaune und Klavier offenbart sich das überaus klangvolle Gepräge des Komponisten, welches trotz seines unbestreitbaren künstlerischen Anspruchs Wilders Nähe zum Populären niemals verleugnet.

Ursprünglich beabsichtigte Johannes Brahms sein kompositorisches Schaffen mit dem im Sommer 1890 vollendeten Streichquintett G-Dur op. 111 abzuschließen. So schrieb er im Dezember 1890 an seinen Verleger Simrock: »Sie können mit diesem Zettel Abschied nehmen von meinen Noten – weil es überhaupt Zeit ist, aufzuhören«. Brahms legte sein zweites Streichquintett klanglich opulent, bisweilen geradezu orchestral an, mit Akkorden in weiten Lagen, Doppelgriffen und Tremoli. Auch wenn dieses – entgegen der ursprünglichen Intention des Komponisten –nicht sein letztes Werk bleiben sollte, so ist es dennoch von deutlichen Spuren des Abschieds gekennzeichnet.: Dementsprechend ist die Atmosphäre des Quintetts – vom schwärmerischen Hauptthema des Kopfsatzes einmal abgesehen – maßgeblich von zarten Stimmungen geprägt, welche von anmutiger Resignation bis hin zu tiefempfundener Traurigkeit reichen. Umso erstaunlicher mag vor diesem Hintergrund der zuweilen äußerst klangschwelgerische, teilweise geradezu optimistisch und freundlich wirkende Duktus des Werkes erscheinen, welcher immer wieder aus den Noten hervorblitzt.

Anthony Plog »Trio for Brass« für Flügelhorn, Horn und Posaune
Boris Blacher Divertimento für Trompete, Posaune und Klavier
Alec Wilder Suite Nr. 1 für Horn, Bassposaune und Klavier
Johannes Brahms Streichquintett G-Dur op. 111

Besetzung


Anthony Plog »Trio for Brass« für Flügelhorn, Horn und Posaune
Hannes Oblasser, Flügelhorn
Linus Bernoulli, Horn
Quirin Willert, Posaune

Boris Blacher Divertimento für Trompete, Posaune und Klavier
Hannes Oblasser, Trompete
Quirin Willert, Posaune
Anke Schwabe, Klavier

Alec Wilder Suite Nr. 1 für Horn, Bassposaune und Klavier
Linus Bernoulli, Horn
Hannes Mück, Bassposaune
Anke Schwabe, Klavier

Johannes Brahms Streichquintett G-Dur op. 111
Katja Lämmermann und Teresa Fritsche, Violine
Gisela Sterff und Birte Altendorf, Viola
Franz Lichtenstern, Violoncello