»Bass erstaunt«
Giovanni Bottesini ist heutzutage vor allem dafür bekannt, dass er am 24. Dezember 1871 die Uraufführung von Guiseppe Verdis unsterblicher Oper »Aida« in Kairo dirigierte. Der 1821 geborene Italiener war jedoch nicht nur als Dirigent, sondern vor allem auch als der führende Kontrabass-Virtuose seiner Zeit geschätzt und fertigte zahlreiche Kompositionen für dieses Intstrument an. In seinen Werken greift Bottesini die Stilmittel der italienischen Romantik auf. Der theatrale Ton der »Rossini-Fantasie« für Violoncello, Kontrabass und Klavier zeugt dabei zudem von seiner hohen Affinität zur italienischen Oper jener Zeit – nicht weniger als 13 Opern hat er selbst komponiert, wenngleich ein großer Teil davon nie zur Aufführung kam.
Auch der österreichische Komponist Ludwig Thuille stand zeit seines Lebens im Schatten seiner Komponistenkollegen – allen voran Richard Strauss' und Hans Pfitzners. Niemals beabsichtigte er, die traditionelle Musiksprache zu erneuern, sondern bewegte sich zwischen den divergierenden Stilen von Brahms und Schuman einerseits, und Liszt und Wagner andererseits. Damit vereinte er zwei durchaus verfeindete Lager und erreichte eine versöhnliche musikalische Synthese. Im Sextett für Flöte, Oboe, Klarinette, Horn, Fagott und Klavier B-Dur op. 6 lässt vor allem die Handhabung des Klavierparts den Einfluss Brahms' spüren, während die harmonische und motivische Faktur deutlich an die »modernere« Schule Liszts und Wagners erinnert.
Paul Hindersmith hingegen provozierte gerne mit als schockierend empfundenen neuartigen Klängen. Seine Inspiration bezog er dabei weitgehend aus der Literatur und ließ sich dabei vor allem von Werken der Romantik, des Expressionismus oder auch der deutschen Vormoderne anregen. Der Text zu »Die junge Magd« für eine Altstimme, Flöte, Klarinette und Streichquartett op. 23 Nr. 2 entstammt dem gleichnamigen Gedicht-Zyklus des Salzburger Expressionisten Georg Trakl, den Hindersmith 1922 musikalisch aufbereitete. Das Stück setzt dabei vor allem auf eine atmosphärisch dichte Harmonik, die Melodieführung der Altstimme ist von durchaus folkloristischer Einfachheit, während in den Instrumenten Anklänge des französischen Impressionismus' spürbar sind.
Von Wolfgang Amadeus Mozart wird bis heute vielfach angenommen, dass er kaum äußerer Inspirationsquellen bedurfte, sondern seine Werke ohne Skizzen und Vornotizen zu Papier brachte. Das Quintett für Oboe, Klarinette, Horn, Fagott und Klavier Es-Dur KV 452 aus dem Jahr 1784 zählt jedoch zu den wenigen Werken Mozarts, von dem einige Vorarbeiten erhalten geblieben sind. Vor allem das komplizierte satztechnische Gefüge und die heikle Klangbalance unter den vier Bläserstimmen hat er vor der finalen Niederschrift der Partitur ausgiebig vorbereitet. Und nicht ganz zu Unrecht konnte er nach der Wiener Uraufführung an seinen Vater schreiben: »Ich selbst halte es für das Beste, was ich noch in meinem Leben geschrieben habe.«
Im Zuge des Kammerkonzertes feiert Ann-Katrin Naidu ihr 30jähriges Bühnenjubiläum.
Giovanni Bottesini »Rossini-Fantasie« für Violoncello, Kontrabass und Klavier
Ludwig Thuille Sextett für Flöte, Oboe, Klarinette, Horn, Fagott und Klavier B-Dur op. 6
Paul Hindemith »Die junge Magd« für eine Altstimme, Flöte, Klarinette und Streichquartett op. 23 Nr. 2, 6 Gedichte von Georg Trakl
Wolfgang Amadeus Mozart Quintett für Oboe, Klarinette, Horn, Fagott und Klavier Es-Dur KV 452
Besetzung
Giovanni Bottesini »Rossini-Fantasie« für Violoncello, Kontrabass und Klavier
David Pia Violoncello
Sophie Lücke Kontrabass
Henri Bonamy Klavier
Ludwig Thuille Sextett für Flöte, Oboe, Klarinette, Horn, Fagott und Klavier B-Dur op. 6
Annette Hartig Flöte
Ursula Ens Oboe
Birgit Götz Klarinette
Dorothea Bender Horn
Cornelius Rinderle Fagott
Anke Schwabe Klavier
Paul Hindemith »Die junge Magd« für eine Altstimme, Flöte, Klarinette und Streichquartett op. 23 Nr. 2
Ann-Katrin Naidu Alt
Annette Hartig Flöte
Birgit Götz Klarinette
Susanne Sonnemann Violine
Judith Adam Violine
Ann-Marie Schneidt Viola
David Pia Violoncello
Wolfgang Amadeus Mozart Quintett für Oboe, Klarinette, Horn, Fagott und Klavier Es-Dur KV 452
Ursula Ens Oboe
Michael Meinel Klarinette
Dorothea Bender Horn
Raquel Saraiva Fagott
Aya Meinel Klavier