»Ama-deus«
Das Streichquintett F-Dur op. 77 ist das letzte Kammermusikwerk des Spätromantikers Felix Draeseke. Es wurde im Februar 1901 fertiggestellt und entstand demnach kurz nach der Oratorium-Trias »Christus«. Das Quintett beginnt mit einer langsamen und düsteren Einleitung, aus der heraus sich das gesamte Werk zu formen beginnt. Diese Einleitung lässt nicht erahnen, dass es sich hierbei aber um ein eher heiter gestimmtes Alterswerk handelt, das bald melancholisch-verträumt, bald freudvoll und versöhnlich einen verklärt-religiösen Blick auf Welt und Leben wirf.
Auch durch das Streichquintett Nr. 1 »Genesis« von Lucio Franco Amanti weht ein religiöser Geist. Der 1977 geborene Italiener ist stets darum bemüht, Unterschiedliches zusammenzubringen und einen Dialog zwischen den Gegensätzen herzustellen. In seinen Kompositionen zielt Amanti auf eine Synthese zwischen Jazz, Pop und klassischen Formmodellen und lässt dementsprechend auch Raum für Improvisation. Mit dem Franz Schubert gewidmeten Quintett geht Amanti aber nicht nur einen musikalisch-formalen, sondern eben auch einen quasi religiösen Dialog ein. Im zweiten Teil wird das Bibelzitat »Die Erde war formlos und leer« in Töne gefasst, in den Improvisationsteilen lässt er ein Cello als Prediger und eine Violine als Adam auftreten. Das Publikum ist dabei aufgefordert, an der Improvisation aktiv teilzunehmen. In Bezug auf das Quintett, das abstrakt aber bildhaft die Entstehung der Welt zum Thema hat, sagt Amanti, der Mensch sei gezwungen »die Schöpfung auf der harmonischen Leinwand, die Gott schon festgelegt hat«, fortzuführen. »Diese Schöpfung wird vielleicht nicht perfekt sein, aber ein Beweis für unser Bedürfnis, uns zu (ver-)bessern.«
Die Werke des französischen Pianisten und Komponisten Jean Françaix sprühen vor Frohsinn und Lebensbejahung. Schon Maurice Ravel attestierte dem jungen Musiker Leichtigkeit und Witz, und so verwundert es nicht, dass Françaix in seinen lebensfrohen Werken Anleihe an der französischen Salonmusik nimmt. Dies tritt besonders in seinem Sixtuor für Flöte, Oboe, Klarinette, Bassklarinette, Horn und Fagott zutage, in dem er sich einer Reihe von Instrumenten bedient, die er selbst humorvoll als Mitglieder des »Höllenorchesters« beschreibt. Die Schöpfung ist für Françaix ein positiv konnotierter Ort, das Leben ein Geschenk, das es freudvoll zu genießen gilt.
Auch Wolfgang Amadeus Mozart war als Freund von rauschenden Festen und wilden Tanzveranstaltungen bekannt. Seine Serenade für zwei Klarinetten, zwei Hörner und zwei Fagotte Es-Dur KV 375 trägt demgemäß den Charakter einer launigen Freiluftmusik für heitere Sommerabende. Mozart komponierte die Serenade als Namenstagmusik für die Schwägerin des kaiserlichen Hofmalers Joseph Hickel im Jahre 1781. Bei den Feierlichkeiten war auch Johann Kilian Strack, ein Vertrauter des Kaisers, anwesend. Um einer Anstellung bei Hofe näherzukommen, wollte Mozart den kaiserlichen Freund unbedingt beeindrucken, weswegen er seine Serenade auch »ein wenig vernünftig geschrieben« hat. D.h. also, dass es sich bei dem besagten Werk nicht lediglich um eine muntere Gelegenheitsmusik handelt. Mozart erzeugt kunstvoll eine gelungene Synthese zwischen heiterer Unterhaltungsmusik sowie elaborierter Kontrapunktik und harmonischer Finesse.
Felix Draeseke Streichquintett F-Dur op. 77
Lucio Franco Amanti Streichquintett Nr. 1 »Genesis«
Jean Françaix Sixtuor für Flöte, Oboe, Klarinette, Bassklarinette, Horn und Fagott
Wolfgang Amadeus Mozart Serenade für zwei Klarinetten, zwei Hörner und zwei Fagotte Es-Dur KV 375
Besetzung
Felix Draeseke (1835–1913): Streichquintett F-Dur op. 77
Lucio Franco Amanti: Streichquintett Nr. 1 »Genesis«
Katja Lämmermann Violin
Teresa Amanti Violine
Dorothea Galler Viola
Clemens Weigel Violoncello
Franz Lichtenstern Violoncello
Jean Françaix (1912–1997): Sixtuor für Flöte, Oboe, Klarinette, Bassklarinette, Horn und Fagott
Uta Sasgen Flöte
Ursula Ens Oboe
Rolf Weber Klarinette
Michael Meinel Bassklarinette
Dorothea Bender Horn
Cornelius Rinderle Fagott
Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791): Serenade für zwei Klarinetten, zwei Hörner und zwei Fagotte Es-Dur KV 375
Rolf Weber Klarinette
Michael Meinel Klarinette
Thiemo Besch Horn
Dorothea Bender Horn
Johannes Overbeck Fagott
Cornelius Rinderle Fagott