ATLANTIS Musik
Wie klingt ATLANTIS?
»Die Musik unserer Zeit ist ein weites Feld der Schönheit und der Fantasie. Aus diesem Kosmos an Klängen habe ich Werke gewählt, die es ermöglichen eine erregende und tanzbare Klangwelt zu erschaffen. Musik, die Kraft mit Sanftheit, Rhythmus mit harmonischer Weite vereint und der Kreativität unserer Tanzkompanie größtmöglichen Raum zur Entfaltung bietet.«
Michael Brandstätter (Musikalische Leitung)
»Wir haben nach geeigneten Klangkonstellation gesucht und uns dann für Werke von Pēteris Vasks, Fredrik Gran, Fazıl Say, Elena Kats-Chernin, Brett Dean und Erkki-Sven Tüür entschieden. Die Musik ist sehr ausdrucksstark und lässt sofort Bilder und Vorstellungswelten entstehen.«
Karl Alfred Schreiner (Choreografie)
Mehr in der Stückeinführung
DIE MUSIK
Erster Teil
Pēteris Vasks »Vēstijums« (»Message«)
für Streicher, Schlaginstrumente und zwei Klaviere, 1982
Aufführungsrechte: Schott Music GmbH & Co. KG, Mainz
Fredrik Gran »Bilder av fält utan stängsel« (»Pictures of Fields without Fences«)
für Streichorchester, 2006
Aufführungsrechte: Nomus21
Fazıl Say Klavierkonzert Nr. 2 »Silk Road«
für Klavier und Streichorchester, 1994
Aufführungsrechte: Schott Music GmbH & Co. KG, Mainz
Elena Kats-Chernin »Zoom and Zip«
für Streichorchester, 1997
Aufführungsrechte: Boosey & Hawkes Bote & Bock GmbH, Berlin
Zweiter Teil
Brett Dean »Carlo«
für Streicher, Sampler und Tonband, 1997
Aufführungsrechte: Boosey & Hawkes Bote & Bock GmbH, Berlin
Erkki-Sven Tüür »Insula Deserta«
für Streichorchester, 1989
Aufführungsrechte: C. F. Peters / Henry Litolff’s Verlag Leipzig, London, New York
Die Komponisten
Pēteris Vasks wurde 1946 als Sohn eines Baptistenpfarrers in Aizpute (Lettland) geboren. Er besuchte zunächst die Musikfachschule in Riga. Nachdem er am dortigen Konservatorium abgewiesen worden war, konnte er sich am Litauischen Konservatorium in Vilnius immatrikulieren, wo er bis 1970 ein Kontrabassstudium absolvierte. Von 1973 bis 1978 studierte er dann Komposition bei Valentins Utkins in Riga, wo er heute als freischaffender Komponist lebt. Von 1963 bis 1974 war Pēteris Vasks Mitglied verschiedener Sinfonie- und Kammerorchester. Vasks hat sich während seiner Studien mit alter wie auch mit neuester Musik befasst, deren Techniken er beherrscht und anwendet. Archaisch- folkloristische Elemente der lettischen Musik hat er mit Verfahren der »minimal music« in seine Kompositionen eingebracht. Seine Werke tragen meist programmatische Titel, die sich auf naturhafte Vorgänge beziehen. Doch geht es Vasks nicht um einen poetischen Lobpreis der Natur oder eine Landschaftsschilderung als ästhetisches Ideal: Die wechselseitige Beziehung zwischen der Natur und dem Menschen, die Schönheit des Lebens und die drohende ökologische und moralische Zerstörung dieser Werte – das sind die Themen, die Vasks in seinen jüngsten Werken vor allem aufgreift und musikalisch gestaltet.
Der schwedische Komponist Fredrik Gran studierte Komposition an der Royal Music Academy in Stockholm und an der McGill University in Montreal. Dabei interessierte er sich vor allem für interdisziplinäre Forschungen im Bereich der Musikmedien und der Musiktechnologie. In seiner Musik verbindet er elektroakustische und natürliche Klangphänomene und arbeitet immer wieder mit mechanischen oder interaktiven Geräten sowie mit verstärkten und im Klang verfremdeten Instrumenten. Grans Werk umfasst orchestrale, kammermusikalische, vokale, elektroakustische und elektronische Musik sowie Kompositionen für Installationen, Museen, Tanzstücke, digitale und visuelle Kunst. Zu seinen Auftraggebern zählen u. a. das International Contemporary Ensemble, die London City Philharmonics, das KammarensembleN Stockholm, das Ensemble Kwartludium und die Musica Vitae. Fredrik Gran erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter den ersten Preis bei der London Music Society Composer’s Competition für das Stück »pictures of fields without fences« für Streichorchester sowie den ersten Preis beim Eleanor Stuble Recording Award. Zudem wurde er für sein elektroakustisches Soloalbum »an hour and a half« für den schwedischen Kunstmusikpreis nominiert.
1970 in Ankara geboren, studierte Fazıl Say Klavier und Komposition in Ankara, Düsseldorf und Berlin. 1994 gewann er die »Young Concert Artists International Auditions« in New York und ist seitdem erfolgreich als Pianist und Komponist tätig. Er spielte in verschiedenen Kammermusikensembles sowie als Gast bei renommierten Orchestern weltweit. Für seine Aufnahmen erhielt Say überdies den Preis der deutschen Schallplattenkritik sowie den »Echo-Klassik«. 2008 wurde er von der EU zum Botschafter des interkulturellen Dialogs ernannt. Seine Musik ist sehr stark durch rhythmische Elemente geprägt, die noch vor melodischen Komponenten Ausgangspunkt seiner kompositorischen Arbeit sind. Dabei bedient er sich an originalen Strukturen der türkischen Musik und kombiniert sie mit tradierten und zeitgenössischen Kompositionsmethoden. Harmonisch bedient er sich immer wieder auch am Free Jazz. Für Fazıl Say ist Musik ein entscheidendes Mittel zur Völkerverbindung. So schreibt er: »Ich wurde sehr oft danach gefragt, ob ich einen großen Kulturschock erlebt habe, als ich das erste Mal nach Deutschland kam. Ehrlich gesagt gehöre ich eigentlich nicht zu denen, die einen großen Kulturschock erlebt haben. Ich bin ein klassischer Musiker!«
Elena Kats-Chernin wurde 1957 in der usbekischen Hauptstadt Taschkent geboren. Noch als Kind zog sie mit ihrer Familie nach Moskau um, wo sie am renommierten Gnessin-Institut studierte. 1975 wanderte sie nach Australien aus, wo sie bei Richard Toop in Sydney studierte und 1981 ihr Studium am New South Wales Conservatory abschloss. Ein DAAD-Stipendium gab ihr anschließend die Möglichkeit, bei Helmut Lachenmann in Hannover zu studieren. Sie blieb 13 Jahre in Deutschland, bevor sie 1994 nach Australien zurückkehrte. Sie lebt heute in Sydney. Zu ihrer energiegeladenen und oft vorwärtstreibenden Musik haben Choreografen auf der ganzen Welt Tanzinszenierungen auf die Bühne gebracht. Im Jahr 2000 erarbeitete sie mit der führenden australischen Choreographin Meryl Tankard eine Reihe groß angelegter Tanzstücke. Das erste von ihnen, »Deep Sea Dreaming«, wurde im Rahmen der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2000 in Sydney vor einem Millionenpublikum aufgeführt. Im Jahre 2011 wurde Kats-Chernin zum Composer-in-Residence des Queensland Symphony Orchestra ernannt. Ihre erste Sinfonie, Symphonia Eluvium für Orgel, Chor und Orchester im Gedenken an die Flutkatastrophe in Queensland im Januar 2011, wurde im selben Jahr unter der Leitung von Asher Fisch beim Brisbane Festival uraufgeführt. Immer wieder finden auch exotische und populärmusikalische Elemente Eingang in ihre eigenwilligen Kompositionen.
Der vielfach ausgezeichnete australische Komponist und Bratschist Brett Dean siedelte 1984 nach seinem Studium in Brisbane nach Deutschland über, wo er 15 Jahre lang den Berliner Philharmonikern als ständiges Mitglied angehörte. Im Jahr 2000 kehrte Dean nach Australien zurück, um sich stärker dem Komponieren zu widmen. Weltweit ist Dean als Solist, Kammermusiker und Dirigent tätig. Er trat als Solist mit den Berliner Philharmonikern, dem RSO Frankfurt sowie den Symphonieorchestern von Sydney, Hamburg, Montreal, Winnipeg, Melbourne und Queensland auf und hat zahlreiche solistische und kammermusikalische Werke namhafter Gegenwartskomponisten uraufgeführt. Zu den von ihm geleiteten Ensembles zählen die Los Angeles Philharmonic, das Königliche Concertgebouw-Orchester, das Niederländische und das Schwedische Kammerorchester, das Münchener Kammerorchester, das Scharoun Ensemble Berlin und die Birmingham Contemporary Music Group. Brett Dean begann seine Tätigkeit als Komponist im Jahr 1988. Zu seinen ersten Projekten zählten Radio- und Filmmusiken sowie Improvisationsprojekte. »Carlo« für Streicher, Sampler und Tonband ist sein bislang meistgespieltes Werk. Eine wichtige Inspirationsquelle für Deans Kompositionen sind politische und soziale Umstände seines Umfelds. Seine Musik sucht stets nach wahrhaftigen Geschichten über Menschen in Not oder auf der Suche nach Liebe und inneren Frieden.
Der estnische Komponist Erkki-Sven Tüür wurde 1959 auf der Ostseeinsel Hiiumaa geboren. Er studierte anfangs Flöte an der Musikschule in Tallinn. Daran schloss sich ein Kompositionsstudium in der Klasse von Jaan Rääts am Konservatorium in Tallinn an, das er 1984 mit der Assistentenzeit beendete. Erkki-Sven Tüür wurde als Leiter es Rock- Ensembles »In Spe« bekannt. Viele für dieses Ensemble entstandene Kompositionen wurden auf Schallplatten veröffentlicht. Sinfonien und Kammermusikwerke von Tüür folgen in ihrer reihentechnischen Struktur und aparten Klanglichkeit neueren Kompositionstechniken. Ein anderer Teil seiner Kompositionen basiert auf elektronischen Verfahren. Auch die Kombination von Renaissance- und Barockmusikformen (teils auf historischen Instrumenten) mit Synthesizer- und Rockklängen hat er erfolgreich erprobt. Tüür interessiert sich in seiner Arbeit für die Verbindung von scheinbaren Gegensätzen. In einigen seiner Kompositionen stellt er Tonalität und Atonalität, regelmäßige, repetitive Rhythmen und unregelmäßige, komplexe Rhythmen sowie ruhige, meditative Klänge und explosive Ausbrüche gegenüber. 1991 und 1996 erhielt er Estlands Staatlichen Kompositionspreis.