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»Waldspaziergang«

»Waldspaziergang«

Kammerkonzert


19. Februar 2017  · 11.00 Uhr
Münchner Stadtmuseum
KiJu





Preis 18 €


Kammerkonzert
© Christian POGO Zach


Inhalt

Als Zweiter Violinist des berühmten Böhmischen Streichquartetts galt der junge Kompositionsstudent Josef Suk als eine der hoffnungsvollsten Musikerpersönlichkeiten Tschechiens. Seine besondere Leidenschaft galt zunächst vor allem der Kammermusik, in der er sich stilistisch und inhaltlich stark an seinem prominenten Lehrer Antonín Dvořák orientierte. Das Verhältnis der beiden ging weit über rein berufliche Belange hinaus, und umso größer war die Freude, als mit der Eheschließung zwischen Josef Suk und Dvořáks Tochter Otilie das bloße Lehrer-Schüler-Verhältnis um familiäre Bande bereichert wurde. Die tragischen Jahre 1904 und 1905, in denen zuerst der Schwiegervater, dann die junge Ehefrau verstarb, markierte einen drastischen Bruch in Suks kompositorischen Stil, der sich von einem jugendlich-unbekümmerten zu einem elegisch-melancholischen Ton wandelte. Das 1891 komponierte Klavierquartett a-Moll op. 1 fällt in die Zeit der glücklichen Jugendjahre, in denen der Einfluss Dvořák zwar noch stark zu spüren ist, aber dennoch schon Suks individueller Personalstil anklingt. Dieser ist geprägt von markanter Jugendkraft, aber auch von einer sensiblen Innerlichkeit und träumerischen Melancholie, die vor allem im Nocturne-artigen Adagio-Satz zutage treten.

Nicht nur Dvořák war von dem Klavierquartett des jungen Suks angetan, auch der prominente Kollege Johannes Brahms urteilte sehr wohlwollend über das Opus 1 des Neulings. Brahms hatte zu dieser Zeit schon den Großteil seiner bedeutendsten Kammermusikwerke komponiert und war wohl von der Naturverbundenheit der tschechischen Musik sehr angetan. Er selbst hatte 1865 das Trio für Horn, Violine und Klavier Es-Dur op. 40 unter dem Eindruck eines sommerlichen Waldspaziergangs nahe des Kurorts Baden-Baden komponiert. Bereits das zarte Eingangsthema vermittelt die Nähe zur Natur, und Brahms wurde zeitlebens nicht müde diese Waldverbundenheit zu betonen, wohl mit der Intention, das Trio nicht bloß als abstraktes Kammermusikwerk, sondern als Spiegel romantischen Naturerlebens verstanden zu wissen. Formal orientiert sich Brahms in seiner Kammermusik immer wieder an Wolfgang Amadeus Mozarts Streichquintetten, die er als Muster formaler Vollkommenheit betrachtet.

Während man in Bezug auf Brahms’ Horn-Trio, das er als 32-Jähriger komponierte, von einem Jugendwerk spricht, gilt Wolfgang Amadeus Mozarts Streichquintett g-Moll KV 516 aus dem Jahr 1787 als ein Werk der Reifephase, obwohl Mozart zum Zeitpunkt der Komposition erst 31 Jahre zählte. Der für Mozart ungewöhnlich düstere Charakter des Quintetts sowie die Tonart g-Moll, die er immer heranzieht, um besonders melancholische und todesnahe Stimmungen zu erzeugen, haben wilde Spekulationen provoziert, die aus dem Quintett auf Mozarts biografische Situation schließen wollen und es mit dem zu dieser Zeit ausbleibenden Erfolg sowie mit dem Tod von Mozarts Vater Leopold in Verbindung bringen. Dergleichen Überlegungen müssen aber vage Hypothesen bleiben, lassen sie sich doch durch nichts belegen. Viel entscheidender ist, dass Mozart hoffte, an der Emanzipation einer noch relativ neuen Kammermusik-Gattung partizipieren zu können, die – anders als das Streichquartett – noch nicht durch Joseph Haydn belegt war. Dieser konnte im Streichquintett »die fünfte Stimme nicht finden«, während Mozart im Quintett KV 516 alle formalen, klanglichen und satztechnischen Register zieht, die ihm je zur Verfügung standen.

Josef Suk Klavierquartett a-Moll op. 1
Johannes Brahms Trio für Violine, Horn und Klavier Es-Dur op. 40
Wolfgang Amadeus Mozart Streichquintett g-Moll KV 516

Regieteam / Besetzung

Josef Suk: Klavierquartett a-Moll op.1
Kumiko Yamauchi   Violine
Dorothea Galler   Viola
Hans-Peter Besig   Violoncello
Tomoko Nishikawa   Klavier

Johannes Brahms: Trio für Violine, Horn und Klavier Es- Dur op. 40
Susanne Sonnemann   Violine
Dorothea Bender   Horn
Aya Meinel   Klavier

Wolfgang Amadeus Mozart: Streichquintett g-Moll KV 516
Judith Adam   Violine
Katarzyna Reifur   Violine
Gisela Sterff   Viola
Rainhard Lutter   Viola
Hans-Peter Besig   Violoncello

Bilder

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© Christian POGO Zach